Umstrittene Protestforschung: Über Sinn, Unsinn und Ambivalenzen einer politischen Forschungsrichtung

Vortrag und Diskussion mit Peter Ullrich

Der Vortrag nimmt jüngere Angriffe auf die Protestforschung, sie sei staatliche „Gegnerkunde“, zum Anlass für eine Analyse des Forschungsfeldes.
Er geht der Frage nach der Berechtigung des Vorwurfs in zweierlei Hinsicht nach: Erstens werden die verschiedenen Beziehungsmuster zwischen den „Protestforscher*innen“ und ihrem Feld, die sich auf die Art der Wissensproduktion auswirken können, dargestellt. Zweitens wird gezeigt, wie sich Protestforschung im Hinblick auf ihren gesellschaftlichen Nutzen begründen lässt. Dieser Nutzen steht aber unter dem Vorbehalt der Beachtung forschungsethischer Herausforderungen, die aus den spezifischen Ambivalenzen des Feldes der Protestforschung resultieren. Denn auch Protestforschung von – sowieso! – kritischen Leuten, ist potenziell in vielerlei Hinsicht verwertbar oder für Karrierismus ausbeutbar – nicht zuletzt unter den verschärften Beschäftigungsbedingungen im akademischen Kapitalismus.
Peter Ullrich spricht sich für eine transparente und selbstreflexive Protestforschung als soziologische Aufklärung für die Gesellschaft und die Bewegungen selbst aus und damit für eine Forschung, die gleichsam zwischen den Stühlen sitzt.

Dr. phil. Dr. rer. med. Peter Ullrich ist Soziologe und Kulturwissenschaftler. Er ist am Zentrum Technik und Gesellschaft der Technische Universität Berlin Ko-Leiter des Bereichs „Soziale Bewegungen, Technik, Konflikte“. Außerdem ist er Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und im Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb).
Seine Arbeitsschwerpunkte liegen v.a. im Bereich Politische Soziologie, Protest-, Polizei- und Antisemitismusforschung.

Donnerstag, 26.09., 11:30 – 13 Uhr, Institut für Politikwissenschaften

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